
Der Mann, der den Bebop aus der traufe hob und wie kein anderer nachfolgende Jazz-Spielarten prägte, ist mein erster Kontakt mit dieser fremdartigen Materie, die sich so grundsätzlich vom Pop unterscheidet.
Charlie Parker wurde zu seinen Lebzeiten nicht für sein schaffen gewürdigt. So fremd erschien sein Werk dem damaligen zeitgeist. Abstrakte Melodielinien und ein mehr als rasantes Tempo hebte ihn vom damaligen Swing-Jazz ab. Und das zu recht, denn was für einen hypnotischen Drive er auf seinem Sax entwickelte, lässt sich anhand der zahlreichenlive-Aufnahmen erahnen. Um aber diese Energie spüren zu können, müsste man sich auf eine Zeitreise in die ausgehenden 40iger Jahre begeben und den legendären Club "yardbird" aufsuchen, wo er zeit seines Lebens die Schizophrenie zwischen musikalischer Extase und weltlichem Überleben darbietete. Geplagt von Magengeschwüren flüchtete er in Extreme: tagsüber Geld auftreiben, damit er seinen Schmerz durch eine geeignete heroin medikation betäuben konnte und nachtsüber in eine Parallelwelt abzudriften, in der weltliche Probleme keine bedeutung mehr hatten. Um so mehr er jedoch bei seinen Auftritten den puren Lebensgeist atmete, desto mehr verfiel er im Alltag. Er konnte seinem Schicksal nicht entrinnen, die Menschen mit ihren Erwartungen und die Ungerechtigkeit seines kaputten Körper gewannen überhand. Er sah vor seinem inneren Auge, dass die Musik nicht ewig sein Zufluchtsort sein könnte. Deswegen spielte er jede Note mit einer zutiefst traurigen Leidenschaft, die damals so unbeschreiblich klingen musste, dass man sich fragt, wo diese Schönheit im hier und jetzt noch zu finden ist, da Charlie Parker die schönsten Noten alle schon gespielt hat.
Und hier noch der trailer zur überaus sehenswerten Filmbiographie gedreht von Clint Eastwood mit forest Whitaker als Charlie parker (grandios):
ist das der film von dem du mir letztens erzählt hast? musst mir den mal ausleihen.
AntwortenLöschenbtw: gut geschrieben!